Im Sommer bei 34 Grad Celsius wurde mir der Bart doch zu warm. Also beschloss ich, wieder alles abzurasieren. Das ist ja das Schöne an Bärten. Du möchtest einen Bart? Dann lässt du ihn wachsen. Kein Bart, kein Problem: rasieren und weg damit. Doch wieder ein Bart? Einfach wieder wachsen lassen. Beim Nachbarschafts-BBQ hörte ich von meinem Nachbarn, dass man stattdessen auf Rasierseife umsteigen sollte. Meine Frau kauft daraufhin in der Drogerie ein Stück Rasierseife von Vergulde Hand.
Am nächsten Tag stehe ich mit meinem verschlafenen Gesicht vor dem Spiegel und nehme die neue Rasierseife aus dem auffälligen gelben Plastikdöschen. Dabei stelle ich fest, dass die Rasierseife knüppelhart ist und ich sie daher nicht mit den Fingern auftragen kann. Pff, das hätte ich wissen können, du Schlafmütze. Natürlich brauche ich dazu einen Rasierpinsel. Ich hätte es wissen können. Früher, wenn ich bei Oma und Opa in Lunteren übernachtete, sah ich meinen Opa fast jeden Morgen mit einem Rasierpinsel Rasierseife aufschäumen. Als kleiner siebenjähriger Junge stand ich immer fasziniert daneben und schaute ihm dabei zu. Zum Spaß schmierte Opa mir immer Rasierschaum auf die Nase. Was hatten wir für einen Spaß im Badezimmer mit Opa. Wenn Opa fertig war, machte Oma immer diese herrlichen Butterbrote mit echter Butter und Hagelslag, und anschließend gingen wir zusammen angeln. Leider sind Oma und Opa vor einigen Jahren verstorben.
Inzwischen vergehen Wochen, bis meine Frau – denn was wäre ich ohne sie – in der Drogerie einen einfachen Rasierpinsel mit Holzgriff kauft. Die Borsten sind steife Schweineborsten. Am nächsten Morgen starte ich einen neuen Rasierversuch. Diesmal jedoch mit einem Rasierpinsel aus Schweineborsten bewaffnet. Den Rasierpinsel kurz mit warmem Wasser anfeuchten, ein wenig in der Rasierseife rühren, und siehe da: Es beginnt ordentlich zu schäumen. Der Duft der Rasierseife hat ein vertrautes, leicht seifiges Aroma. Nichts Besonderes, aber auch nicht unangenehm. Den Rasierschaum kurz gründlich auf meinem Gesicht verteilen. Schon bald bildet sich ein üppiger Schaumteppich auf meinen Wangen und an meinem Hals. Beim Aufschäumen merke ich, dass einige Borsten des Rasierpinsels an meinem Gesicht kleben bleiben. Sehr nervig. Aber wir machen einfach weiter.
Als ich zu meinem Rasierer greife, merke ich, dass der Rasierschaum bereits teilweise getrocknet ist. Hmm, vielleicht habe ich zu wenig aufgeschäumt. Also rühre ich noch einmal mit dem Rasierpinsel in der Rasierseife und tupfe ihn erneut auf meinen Wangen und meinem Kinn hin und her. Wieder trocknet der Schaum etwas an, aber guten Mutes beginne ich mit der Rasur. Da der Rasierschaum antrocknet, muss ich während der Rasur regelmäßig mit dem Rasierpinsel nachschäumen. Nicht gerade praktisch, aber aller Anfang ist schwer. Nach der Rasur habe ich trotzdem noch ein leicht brennendes Gefühl am Hals. Meine Haut fühlt sich rau, trocken und gespannt an. Wie üblich trage ich ein wenig Aftershave-Balsam auf meine frisch rasierte Haut auf. Das brennende Gefühl lässt etwas nach. Aber ich kann nicht sagen, dass dies nun ein angenehmes Rasiererlebnis war. Ich benutze die Rasierseife noch ein paar Mal, doch jedes Mal ist das Rasiererlebnis wieder unangenehm: schnell antrocknender Rasierschaum und gereizte Haut. Nicht gerade ein Erfolg. Nach ein paar Wochen werfe ich die Rasierseife genervt in den Mülleimer. Weg damit.
Mein Opa hatte mit nichts davon Probleme. Er hatte weder Ärger mit losen Borsten seines Rasierpinsels noch mit antrocknendem Rasierschaum oder einem brennenden Gefühl nach der Rasur. Und ich mache genau das, was mein Opa gemacht hat. Das Gesicht mit warmem Wasser anfeuchten. Rasierschaum mit dem Rasierpinsel auftragen und vorsichtig mit dem Rasierer rasieren. Also liegt es nicht an mir, sondern an dieser miserablen Rasierseife. Ich muss mich also nach besserem Rasierzubehör umsehen. Fortsetzung folgt.